Schilfrohr
"Es braust der Wind am Fluss entlang
und biegt das Schilf auf seinem Gang.
Das lange Schilfrohr saust gewiegt
und streckt sich, als ob es im Geiste fliegt.
Sieht aus, als ob es gewandert wär
und ging hinter Fluss und Wind einher.
Es schwätzt und zischelt und berichtet
Geschichten, die es aus Luft sich dichtet.
Und, fortgerissen vom eigenen Wort,
steht's leidenschaftlich am Ufer dort,
hoch aufgeschlossen Speer bei Speer
wie der hastigen Wünsche schwankes Heer.
Es rasselt im Wind, als möcht es fliehen
und unglücklich wie ein verliebtes Kind
und gedankenlos durch die Lüfte ziehen".
Ein Gedicht von Max Dauthendey